Aiks Geschichte

Es war Frühjahr 2017 – Als Kind/Jugendliche hatten wir einen Kromfohrländer und ich war seit Kleinkind schon die absolute Hundefanatikerin. Als unsere Familienhündin verstorben war, brach für mich eine Welt zusammen – Nun war der Zeitpunkt da, dass ich durch meinen Job in der Sicherheit, eine stabile Partnerschaft, die Schichtarbeit, Unterstützung durch die Familie und die Beförderung ins Kader endlich soweit war, mir/uns einen eigenen Hund anzuschaffen.

Für mich war klar: Es sollte kein Welpe sein, eine grosse aber eher genügsame Rasse und obwohl Diensthundeführer mein Traum war, war der Schutzdienst absolut kein Muss. Ich wollte lediglich ein Familienmitglied. Nach längerer Suche stiessen wir auf Roy, eine 4 jährige American Bulldog Hündin. Soweit passte das…auf jeden Fall mir. Mein damaliger Partner war so gar nicht happy. Nach viel Streit sagten wir ab. Mein Partner wollte unbedingt einen Dobermann, Rottweiler oder Schäfer. Da es ein Rüde werden sollte, fiel der Rottweiler weg, da das Gewicht einfach für mich nicht handelbar wäre im Notfall. Der Dobermann entspricht mir einfach vom Charakter/Rassenprofil nicht. Nach viel Gestreite liess ich mich breit schlagen, einen einzigen Schäferhund anzuschauen. Nur einen. Den Einen.

Am Telefon erzählte uns die Vermittlerin vom Tierschutz die schlimmsten Gräuelgeschichten, der 9 Monate alte Rüde war verprügelt, missbraucht und halb verhungert lassen worden. Sehr unsicher, ängstlich, nicht menschenbezogen, hat wohl schon gebissen und wurde vom Tierschutz beschlagnahmt. Nun in einer Pflegestelle. Für mich als „Ersthundebesitzer“ in dem Sinne, sprach die Vernunft absolut gegen einen solchen Hund. Und irgendwie, sagte mir ein leises Stimmchen „geh diesen Hund anschauen!!“.

Soweit so gut. Eigentlich mit einer klaren Absage im Kopf, fuhren wir da hin. Die Vermittlerin kam uns entgegen. Da der Hund weder Leine noch Halsband kannte, war er freilaufend. Ich stieg aus, das magere, ausgezehrte Wesen mit überall Schorf und lichten Stellen im Fell, schielte hinter der Vermittlerin hervor. Schaute mich direkt an, suchte Blickkontakt…und spurtete los. Direkt zu mir. Schmiss sich vor mir hin, wedelte, winselte, leckte mich ab…die Vermittlerin blieb wie gebannt stehen. Ich dachte nur „ok, vielleicht haben die mir Blödsinn erzählt…schenkte dem keine grossen Gedanken“.

Wir gingen in den Garten…das zerzauste Etwas wedelte um mich rum, stupste mich hin und wieder an, aber liess sich nicht streicheln. Er kam keinen Moment zur Ruhe. Kratze sich permanent. Bei jeder schnellen Bewegung duckte er sich weg, Schwanz zwischen den Beinen und panisch in die Ecke. Er tat mir so leid. Aus reinem Bauchgefühl habe ich mich auf den Boden gesetzt. Er kam an, schnüffelte mir übers Gesicht, leckte mir kurz über die Wange, bis er sich zu mir legte und mit dem Kopf auf dem Bein einschlief. Ja, das war MEIN Hund.

Nun war die Orga wohl deutlich weniger seriös als erwartet. Noch einen Monat spielten sie mit zu/absagen und trieben den Preis für Aik in die Höhe. War mir scheiss egal. Ich hätte wohl alles gezahlt. Als ich ihn holen durfte, wurde mir noch ans Herz gelegt mit dem Hund auf keinen Fall richtig Schutzdienst zu gehen und bloss nicht zum Tierarzt. Das würde das Vertrauen zerstören. Spätestens hier, hätte es bei mir klingeln sollen. Hats aber nicht…

Hund daheim…und das Drama begann. Durchfall, Kotzen, Schmerzen beim Stuhlgang, ohne Ende gekratzt. Nach 10 Tagen stand ich dann doch beim Tierarzt. Von wegen gecheckt und gesund:

– Pankreas entzündet
– Darm chronisch entzündet
– Allergien
– Malessezien
– Giardien
– Bindehautentzündung
– leichte Blutvergiftung
– Würmer
– Deprivationsschäden
– plus die ganzen entzündeten Wunden

Haleluja. Aber den Hund abgeben? Niemals! Schritt für Schritt wurde er behandelt, therapiert. Mit der Umstellung auf Barf (wovon die Orga uns dringendst abriet) war der Durchbruch. Es ging ihm besser. Die Papiere vom Hund waren wohl auch gefälscht. Was solls…wir packen das.

Die Bindung war vom ersten Tag an schon da, aber sie wuchs und wuchs…und ihm ging es besser. Zu beginn hatte er mit 9 Monaten, Schulterhöhe von 63cm, 23.7 kg. Laut TA, wäre mancher Hund in seinem Zustand wohl schon verstorben. Nun ging es aber auch darum, ihn mental zu fördern. Wir probierten so einiges aus und nichts passte. Da sein Selbstvertrauen wuchs und ich in der Firma das Angebot zum Wesenstest hatte, beschloss ich, ihn dort einfach mal vorzustellen. Zu verlieren haben wir ja nichts. Und plötzlich stand da ein motivierter, selbstsicherer Hund. Da waren wir wohl doch richtig im Schutz. Also begannen wir langsam, behutsam mit dem Aufbau. Ganz egal ob er zum Diensthund wird. Wichtig war, dass er dadurch Selbstvertrauen schöpft und Spass hat.

Nach 4 Monaten belegten wir den 2ten Rang mit dem jüngsten Hund an unserer ersten Diensthundeprüfung. Seine Gesundheit war stabil, ich konnte das verantworten. Er braucht nur noch bezüglich der Umweltallergien alle 8 Wochen eine Spritze. Natürlich war viel Arbeit dabei, durch das im Schutzdienst gewonnene Selbstvertrauen legte sich seine Angst. Mit CBD Tropfen konnten wir ihm bezüglich der leichten Deprivationsschäden helfen. Langsame Schritte, viel Training, viel kennen lernen und das auf eine ruhige Art. Positives Aufbauen. Der Hund hatte genug durch und es war wirklich schwer einen Schutzdiensthelfer zu finden der positiv Arbeitet.Aber er ist sauber im Kopf, schiesst nicht blind nach vorne sondern orientiert sich bei Unsicherheit an mir…und datauf bin ich unglaublich stolz!Nun liegt er gerade neben mir. Medikamentenfrei. 42kg schwer.

Was ein Prachtkerl er geworden ist. Mein Seelenhund.

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