Hundeverhalten beeinflussen

Es ist eine weithin akzeptierte Meinung, dass die genetische Grundausstattung und auch die Aufzuchtbedingungen steuernden Einfluss auf die Entwicklung des Hundes und somit auch auf seine späteren Verhaltensreaktionen haben. Das ist zwar auch grundsätzlich richtig, jedoch tatsächlich nur ein Teil der Wahrheit.

Ich möchte Sie einladen, mir erst einmal auf diesem gedanklichen Weg zu folgen:

Zeigt sich der Hund ausgeglichen, fröhlich, freundlich und leistungsstark scheint die Welt in Ordnung zu sein. Dass man solch eine Hochphase allerdings nicht durch ein starres Festhalten an gestrigen Abläufen erhalten kann, haben Sie als Hundehalter vielleicht schon einmal erlebt. Und vielleicht kennen Sie auch umgekehrte Beispiele in denen sich ein Hund, der krank, unleidig, aggressiv oder ängstlich war, regelrecht gemausert hat? War das nur eine Fügung oder steht mehr dahinter?

Allzu oft wird der Zustand eines Hundes bzw. konkret sein Verhalten und Wohlbefinden als Bestimmung des Schicksals hingenommen oder eben auf die Genetik oder bestimmte Erfahrungen des Hundes zurückgeführt. Vielleicht gibt man sich mit diesen „Erklärungen“ zufrieden, weil bestimmte Hinweise in diese Richtung deuten. Und wie gesagt, anteilig spielen diese Details gegebenenfalls auch tatsächlich eine Rolle. Aber was ist, wenn man das Wohlbefinden (oder auch ein Unwohlsein!) auf das Konto des Trainingsgeschicks (oder die unfachmännischen Umgangsformen) des Hundehalters verbuchen möchte? Da ist doch sicher auch etwas dran, oder etwa nicht? Der Haken ist nur, dass dies ja eine in sich jeder Zeit veränderbare Sachlage ist. Hier beginnt ein allzu einfaches Erklärungsmodell, wie Verhalten gesteuert wird, bereits zu bröckeln.

Aus ganzem Herzen kann ich Ihnen versichern, dass es überaus spannend ist, einen Blick hinter die Fassade zu werfen und zu erfahren, welche Verstrickungen und Wechselwirkungen von inneren und äußeren Faktoren es gibt und was nun wirklich alles eine Rolle bei der Verhaltenssteuerung spielt.

Neugierde oder reiner Wissensdurst ist aber nicht der einzige Motor auf dieser Reise. Vielmehr steht im Vordergrund, das Wissen auch für den oder die eigenen Hund(e) anzuwenden. Das Schöne ist: Je besser man die verschiedenen Zusammenhänge versteht, desto mehr Möglichkeit zur aktiven Weichenstellung tun sich einem auf. Veränderungen sind nämlich nicht nur möglich, sondern auch steuerbar! Spannend ist vor allem: Veränderungen können auf den unterschiedlichsten Ebenen erzielt werden und sowohl dazu dienen, einen guten Zustand weiter zu erhalten bzw. zu stabilisieren oder eben einen schlechten Zustand zu verbessern.

Wie der Titel des Buches schon ausdrückt, geht es in dem Buch „Hundeverhalten beeinflussen“ um die verschiedenen Möglichkeiten der aktiven Einflussnahme auf das Verhalten des Hundes. Konkret geht es um die Fragen: Wo kann man einhaken? Was ist in welchem Fall besonders effektiv? Was blieb bislang vielleicht noch vollständig unberücksichtigt?

Vielleicht werden Sie überrascht sein, wie viele Optionen es tatsächlich gibt. Ich war beim Zusammentragen der Fakten jedenfalls regelrecht überwältigt. Aufgrund der Komplexität der Einflussnahmemöglichkeiten handelt es sich bei „Hundeverhalten beeinflussen“ um ein mehrteiliges Buch.

Im ersten Band, welcher im November 2020 veröffentlicht wurde, geht es unter anderem um den wichtigen Überbegriff Epigenetik. Denn dieser ist im Grunde der Schlüssel der ganzen Sachlage. Eine epigenetisch wirksame Maßnahme zieht jeweils eine Veränderung einer bestimmten Genaktivität nach sich. Für ein bestimmtes Individuum (hier steht natürlich der Hund im Fokus) kann dies beispielsweise einen Unterschied von krank zu gesund oder von labil zu stabil bedeuten. Es geht aber sogar noch darüber hinaus! Denn obwohl epigenetisch wirksame Veränderungen nicht im Erbgut selbst verankert sind, haben sie im Reproduktionsfall sogar erheblichen Einfluss auf die Nachkommen. Spannend, nicht wahr?!

Oder klingt es Ihnen zu kompliziert über das Erbgut nachzudenken? Auch das wäre nicht schlimm. Glauben Sie mir: Sie werden erstaunt und vielleicht auch erfreut sein zu erfahren, dass es sich bei den Maßnahmen selbst, um die es im Band 1 von „Hundeverhalten beeinflussen“ geht, um ganz banale Kleinigkeiten handelt. Das Verhalten des Hundes in eine bestimmte Richtung zu lenken ist somit wahrlich kein Hexenwerk. Jeder kann diesen Weg beschreiten! Natürlich krempelt man mit keiner Einzelmaßnahme einen Hund der körperlich oder psychisch in keiner guten Verfassung ist, nicht von jetzt auf gleich grundlegend um. Aber jede einzelne kleine Verbesserung ebnet dem Hund den Weg, (wieder) zu (mehr) Wohlbefinden zu gelangen.

Kurzum: Spätestens nach diesem Buch wird es für Sie einfach keine Option mehr sein, die Hände einfach in den Schloss zu legen und alles dem Schicksal zu überlassen oder andere Ausflüchte dafür zu finden, wenn es gerade nicht so rund läuft. Zu greifbar sind die Möglichkeiten, auch in schwierigen Phasen und ohne allzu viel Aufwand, dem Hund den Rücken zu stärken.

Neben dem Grundthema „Epigenetik“ geht es in diesem ersten Band auch um folgende Themenkomplexe:

Soziale Unterstützung – Es wird beleuchtet, was darunter verstanden wird, was es mit althergebrachten Trainingsregeln wie etwa „einem ängstlichen Hund niemals Zuwendung zukommen zu lassen“ auf sich hat und welche Form der Unterstützung für den Hund wirklich wertvoll ist.

Ernährung – Es wird aufgeführt, wie man über die Art der Fütterung bzw. über den gezielten Einsatz ganz bestimmter Futterinhaltsstoffe Einfluss auf das Verhalten des Hundes nehmen kann.

Hormone – Hier stehen vor allem die Stresssteuerung, die Schilddrüsengesundheit und die Geschlechtshormonen im Fokus der Betrachtungen.

Celina del Amo

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