Pedro & ich: Unsere lebensverändernde Geschichte

Wo Beginn ich da am besten, am besten wirklich bevor Pedro zu mir kam.

Ich hatte mich gerade von meiner Ex–Frau getrennt die zum Abschied noch meinen damaligen Schäferhund einschläfern lies der mich 17 Jahre lang begleitet hat. Damals war ich wirklich kurz davor dem Alkohol zu verfallen und völlig abzustürzen.

Ich hab mich damals schon in Hundegruppen rumgedrückt, zu diesem Zeitpunkt hat es mir aber immer das Herz gebrochen, mir Hunde anzusehen, da ich meinen alten Schäfi so unglaublich vermisst habe und wie gesagt mit mir selbst nicht klar kam. Eines Abends las ich einen Beitrag der mich aber dennoch interessiert hat, es ging um einen Hund der dringend ein neues Zuhause bekommen sollte, da es mit ihm mehrere Beissvorfälle gab und er als „Red–Zone“ unterkommen musste bevor er auf Anordnung des Ordnungsamtes seinen Besitzern entzogen und dann wohl eingeschläfert werden sollte da es Fremden unmöglich war diesen Hund zu Händeln.

Ich kann heute nicht mehr sagen warum, aber ich musste diesen Beitrag damals kommentieren. Denn aus meiner damaligen Erfahrung mit Hunden war mir irgendwo bewusst das ein Hund nicht umsonst so ein Verhalten, diese Wut und Aggression in sich trägt. So kam ich mit der Dame die sich hilfesuchend an eine Schäferhund–Gruppe wandte ins Gespräch und wir tauschten uns einfach aus. Irgendwann kam dann die Frage, ob ich es mir zutrauen würde dem Hund, eine Chance zu geben. Auf diesem Wege möchte ich ihr heute noch danken das sie mir und vor allem Pedro die Chance gegeben hat unser Leben zu ändern. Ich hatte mir damals einige Tage Bedenkzeit erbeten, da wie oben geschrieben, ich selbst einige Probleme und Sorgen aufzuarbeiten hatte. Wir haben dann unsere Telefonnummern ausgetauscht und ich versprach ihr darüber nachzudenken.

Es vergingen damals 3 Tage, als ich dann den Anruf bekam, Pedro hat den Freund der Besitzerin gebissen, dieser hat ihn daraufhin schwer verletzt und der Hund gibt sich nun auf und verweigert die Nahrungsaufnahme.

Und hier eigentlich beginnt unsere Geschichte wirklich.

Irgendetwas in mir hat mir damals gesagt, der Hund muss a) schnellstmöglich da weg und b) ich möchte diesen Hund live erleben, ich möchte diesem Hund helfen! Innerhalb von 24 Stunden konnte ich es regeln das ich also 450 km gefahren bin um diesen sehr speziellen Hund kennenlernen zu dürfen. Was mich dann allerdings erwartet hat war wie in einem schlechten Film!

Vor Ort erwartete mich Ordnungsamt, Polizei und eine völlig aufgelöste Besitzerin die Angst hatte in ihre eigene Wohnung zu gehen da der Hund völlig eskalierte. Nach einigen Diskussionen, Pro und Contras, durfte ich tatsächlich allein die Wohnung betreten um mir ein Bild von diesem „Monster“ zu machen. Wobei ich freundlich darauf aufmerksam gemacht wurde das die Polizei den Hund erschiessen würde wenn er auf mich los gehen würde. Ich hatte so dermaßen die Hosen voll, aber hab die Wohnung dann allein betreten und da stand er dann vor mir! Und wie es kommen musste, er hat mich erstmal richtig, richtig deftig in den Arm gebissen. So seltsam es klingt, dieser Biss, war wichtig!

Denn er hat nicht wirklich verletzend gebissen, es war eine völlige Angstreaktion, was ich damals schon sehr gut einstufen konnte. Nach ca. 2 Stunden abtasten und ignorieren, Annäherung konnte er dann mit Hilfe seiner Besitzerin angeleint werden und in mein Auto verfrachtet werden.

So fuhren wir dann die 450 km wieder zurück in sein neues Leben. Zwei Männer im Auto bei 36 Grad… sowas schweißt zusammen glaub ich, denn schon im Auto fing er an mich zu beschnüffeln und er merkte meines Erachtens nach… hier ändert sich gerade etwas. Als wir dann endlich bei mir zuhause ankamen, war er plötzlich mir gegenüber ein völlig anderer Hund. Er war misstrauisch, aber in keinster Weise mehr aggressiv!

Als wir beide dann zur Ruhe kamen war er schon so weit das ich ihn streicheln durfte, und da musste ich mit Schrecken entdecken das er unzählige Narben hatte am ganzen Körper, an den Pfoten… und plötzlich war mir klar was dieser Hund wohl erlebt haben muss. Nach kurzer Zeit hatten wir ein „Verhältnis“ das ok war, aber bei weitem nichts mit Bindung und Vertrauen zu hat. Seine Probleme mit fremden Menschen blieben allerdings, jeder Mensch der sich uns näherte wurde sofort angegangen und attackiert.

So musste ein Hundetrainer her.

Und hier kommt ein ganz wichtiger Wendepunkt, im Verhältnis zwischen ihm und mir, denn durch diesen unsäglichen Trainer haben wir uns entwickelt. Um es kurz zu fassen, dieser damalige Trainer hatte Ansätze wie „Du bist der Alpha!“ und wollte Pedro der eh schon genug in seinem kurzen Leben erleben und erleiden durfte mit Angstreizen und Dominanz trainieren. Das ging soweit das er mir irgendwann einmal eine Wurfkette auf den Tisch gelegt und mir geraten hat, Pedro damit zu schlagen wenn er unerwünschtes Verhalten zeigt… DAS war der Moment in dem ich diesen „Trainer“ rausgeschmissen habe… mein Vertrauen in Hundetrainer war somit auch im Arsch und ich habe mich mit positiv arbeitenden Hundengruppen befasst.

Irgendwann kam dann so der Aha–Moment… und ich habe zusammen meine 2–jährige ATN–Hundetrainerausbildung begonnen… mittlerweile die Ausbildung zum Verhaltenstrainer mit angeschlossen… die ich dieses Jahr noch abschließen werde. Um unsere Geschichte, die noch lange nicht vorbei ist, an diesem Punkt abzuschließen… Pedro ist heute durch faires, positives Training… und natürlich auch durch permanentes Management im Alltag ein Hund, der jederzeit beißen würde, aber Wege entdecken durfte es nicht mehr zu müssen.

Ein Halter sucht sich nicht immer einen seinen Hund aus, der Hund wählt sich seinen Halter… und ich bin meinem Pedro dankbar das ich so viel von ihm lernen durfte… so gesehen haben wir uns damals gegenseitig gerettet 6 Jahre später arbeiten wir, Pedro und ich, jetzt mit Tierheimhunden die ähnliche Verhaltensweisen aufzeigen… und Pedro geht in seiner neuen Rolle völlig auf…

Ich bin sowas von stolz, wie er er sich entwickelt hat und ich muss sagen, ich bin auch ein wenig stolz auf aus.

Frank Dörr

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