“Seriöse” Hundeschule/-TrainerInnen

Ein oft gestellte Frage ist: “kannst du mir eine gute/seriöse Hundeschule empfehlen?”

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da es doch etwas sehr Persönliches ist, wem man sich anvertraut,

Sehr wichtig ist: stimmt es zwischenmenschlich? Genau genommen ist Hundetraining der falsche Ausdruck, korrekter wäre Menschen-Training, denn meist muss der Mensch lernen, wie sage ich es meinem Hund, dass er versteht, was ich von ihm will. Einigen wir auf Hunde-Mensch-Team-Training.

Ist auch sehr abhängig vom Hund. Kennt die Trainerin (um die Leserlichkeit zu gewährleisten, verwende ich nur die weibliche Bezeichnung, selbstverständlich gilt dies auch für die männliche Form) die Rasse und ihre Eigenheiten? Hat sie gegebenenfalls eine Aversion gegen diese Rasse? Mag sie kleine Hunde nicht oder kann es mit den Grossen ganz und gar nicht? Alles Punkte die passen müssen, um eine erfolgreiches Training zu starten.

Was ist dein Ziel: Willst du einen alltagstauglichen Hund? Willst du einen Hund in einer Hundesport-Disziplin führen? Willst du deinen Hund zum Therapie- oder Assistenzhund ausbilden? …

Wie willst du arbeiten? Dazu ein Auszug aus “Auf was Sie achten sollten” von Anna Hitz erschienen im Schweizer Hunde Magazin 08/20. Darf hier mit der Erlaubnis der Autorin geteilt werden. Herzlichen Dank

“Am Anfang ist es eine Frage der Wertvorstellung, welchen Weg man in der Hundeausbildung geht. Man muss für sich entscheiden, ob man über ein Vertrauensverhältnis oder ein Strafregister arbeitet, denn Lernen basiert immer auf den vier Quadranten der Lerntheorie. Oder anders formuliert: Man lernt durch bestimmte Konsequenzen. Um diese Aussage zu verstehen, muss man sich kurz vor Augen führen, was diese Lerntheorie der vier Quadranten besagt:

Quelle: www.thecanineconsultants.co.uk / Übersetzung: www-training4paws.de

1. Positive Verstärkung: Etwas Angenehmes wird hinzugefügt (z.B. Leckerli, Spielzeug, Belohnungen aus der Umwelt). Der Hund zeigt das Verhalten in Zukunft öfter, beispielsweise setzt der Hund sich und bekommt dafür sein Spielzeug, ein Leckerli oder etwas anderes, das er toll findet. Die Emotion des Hundes ist Freude.

2. Negative Strafe: Etwas Angenehmes wird entfernt (z.B. Aufmerksamkeit). Der Hund zeigt das Verhalten in Zukunft seltener. Ein Beispiel: Der Hund springt an seinem Halter hoch, dieser dreht sich um und geht weg. Die Emotion des Hundes ist Enttäuschung und Frustration.

3. Negative Verstärkung: Etwas Unangenehmes wird entfernt (z.B. Druck auf die Hinterhand lässt nach). Der Hund zeigt das Verhalten in Zukunft öfter und schneller. Beispielswiese drückt man so lange auf das Hinterteil des Hundes, bis er sich hinsetzt. Die Emotion des Hundes ist Erleichterung.

4. Positive Strafe: Etwas Unangenehmes (Schmerz- oder Schreckreiz) wird hinzugefügt (z.B. Leinen-ruck, Wasser aus einer Spritzpistole, ein Stoss aus einem Sprühhalsband, Wurf mit einer Rasselkette, ein Zischen, verbunden mit einem Stoss in die Seite). Der Hund zeigt das Verhalten in Zukunft seltener. Die Emotion des Hundes ist Angst/Schmerz.”

“AVERSIVES TRAINING

«Unter aversiven Trainingsmethoden versteht man sämtliche Handlungen oder Hilfsmittel, die bei einem Hund Schmerz, Angst oder Stress auslösen. Dazu gehören massive körperliche Übergriffe wie Schlagen, Treten, Rempeln und Auf-den-Boden-Werfen. Ebenso die Anwendung von Würge- oder Stachelhalsbändern sowie vermeintlich harmlose Aktionen wie der Griff in den Nacken oder das «leichte Piksen» in die Seite. Sogar das Erheben der Stimme oder das Schmeissen von Schlüssel oder Rappel, selbst wenn der Hund davon nicht direkt getroffen wird, gehören zu den aversiven Methoden. Schliesslich dienen sie einzig und allein dem Zweck, den Hund einzuschüchtern oder zu erschrecken. Selbst die von bekannten Hundetrainern so gerne eingesetzte Wasserflasche, mit der ja «nur harmloses Wasser» auf den Hund abgegeben wird, ist durchaus als aversiv zu betrachten!» (Zitiert von dergrossartigehund.de)

GEWALTFREIES HUNDETRAINING

Die Initiative für gewaltfreies Hundetraining von der Psychologin und Hundetrainerin Bettina Stemmler hat für den gesamten deutschsprachigen Raum eine Liste von Trainern bereitgestellt, welche sich an einen genau definierten Verhaltenskodex halten. «Oft sagen Trainer, sie würden ‹gewaltlos› arbeiten, schaut man konkret hin, sieht man, dass sie beispielsweise über psychische Einschüchterungen arbeiten. Darum ist eine detaillierte Checkliste oder eben der erwähnte Verhaltenskodex wichtig. Der Verhaltenskodex listet auf, welche Hilfsmittel sinnvoll sind und wie sich ein/e kompetent/e HundetrainerIn verhält beziehungsweise was nicht akzeptabel ist. gewaltfreies-hundetraining.ch

Den ganzen Artikel von Anna Hitz kannst du hier lesen:

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Ist ein 100%ig gewaltfreies Training überhaupt möglich? Selbstverständlich wollen wir alle nur das Beste für unsere Lieblinge. Trotzdem ist Training mit nur positivem Belohnen unmöglich. Dazu 2 Beispiele:

Negative Strafe: Wenn der Hund ins «Sitz» gehen sollte, sich stattdessen hinlegt und deshalb keine Belohnung erhält, handelt es sich gemäss Lerntheorie um negative Strafe.

Positive Strafe: Der Hund springt nach vorne, da er zB zu einem anderen Hund will und erfährt unweigerlich, egal ob mit Halsband oder Geschirr gesichert, einen Ruck, den er als unangenehm empfindet. Gilt per Definition als positive Strafe.

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Ein weiterer spannender Artikel “Gesucht: Guter Mensch-Hund-Trainer” aus dem Schweizer Hunde Magazin 08/20 wurde uns freundlicherweise vom Autor Roman Huber zur Verfügung gestellt.

“Wie findet man diese Trainerperson?

Jeder Hund hat seinen individuellen Charakter, ebenso jeder Mensch und Hundehalter. Keine einfache Sache also, eine Trainerperson zu finden, bei der es für beide passt. Noch schwieriger wird dies, wenn der Halter seine eigenen Vorstellungen mitbringt, wie der Hund zu sein hat, ohne über das notwendige Wissen über den Hund zu verfügen. So, wie es ihm der Nachbar klar gemacht hat, der über 30 Jahre Hundeerfahrung hat und viele Begleithundeprüfungen absolvierte.
Wer sich im Internet schlaumachen will, erfährt rasch, wovon er die Finger lassen soll: Wenn er liest, dass der Mensch als Rudelführer dem Hund den Chef zeigen müsse, dass der Hund erzogen und nicht konditioniert werden soll, dass er ohne Belohnung zu gehorchen habe, erst recht ohne Leckerli. Positive Verstärkung ist nun mal der Schlüssel zum erfolgreichen Lernen und welche Belohnung für den Hund zählt, weiss nur dieser selbst. Vorsicht ist geboten, wenn von Energie, Körpersprache, Korrektur und Konsequenzen die Rede ist und die dabei eingesetzten Mittel verschwiegen werden. Aus demselben Grund sei man gewarnt bei Videos «vorher» und «danach», zum Beispiel eines an der Leine ziehenden Hundes, der nach «Behandlung» nicht mehr zieht. Oft sagen Bilder mehr aus als Worte: Sieht man nur Fotos von aufgeregten, hechelnden, herumtobenden und sonst nur unter Kommando stehenden Hunden, so stellen sich einige Fragen zum Hundeschulbetrieb.”

“SO ARBEITET EIN GUTER MENSCH-HUND-TRAINER

• Ruhiges Lernumfeld – viel Bellen deutet auf zu viel Aufregung/Überforderung hin. Darum wird auf die Individualdistanz Rücksicht genommen; man kann mit dem Hund jederzeit eine Pause einlegen oder sich zurückziehen.
• Freundliche Atmosphäre – Hund und Mensch werden positiv, offen und ihrem Ausbildungsstand entsprechend abgeholt und begleitet. Kritik/Korrekturen sind freundlich und positiv. Es herrscht Empathie.
• Individuell – Auch in Gruppenkursen ist eine individuelle Betreuung gewährleistet, entsprechend sollte die Zahl
der Teilnehmenden limitiert sein (ab circa sechs Teams ist eine zweite Trainer-/Hilfsperson angebracht).
• Vorbesprechung – Trainerperson erkundigt sich nach der Befindlichkeit von Mensch/Hund, beantwortet Fragen
vom letzten Mal, orientiert über den Lektionsinhalt und fragt nach.
• Nachbesprechung – Wie ist es dem Team ergangen? Was ist gut gelaufen, was könnte man verändern, damit es
besser läuft? Wo braucht es welche Unterstützung? Was nimmt das Team mit?
• Methodik/Didaktik – Die Lektion ist gut strukturiert, Übungen/Tätigkeiten, deren Sinn und was dabei abläuft,
sind gut erklärt und aufgebaut, den individuellen Möglichkeiten von Mensch und Hund angepasst, ebenso das
weitere Vorgehen (Trainingsschritte).
• Theorie – Die Praxis wird in der Vor- oder Nachbesprechung durch theoretische Erklärungen ergänzt.
• Verhaltensberatung – Diese setzt eine seriöse Ursachenanalyse mit Anamnese voraus, bevor an einem Fall
gearbeitet wird (abgesehen von Sofortmassnahmen); die Trainerperson kann vor Aufnahme der Verhaltensarbeit
eine veterinärmedizinische Abklärung verlangen.
• Hundewohl steht immer im Vordergrund – Es werden keine aversiven Hilfsmittel und Methoden eingesetzt,
es erfolgen auch bei unerwünschten Verhaltensweisen keine groben Korrekturen über Körper, Leine oder Gegenstände, auch nicht um den Hund zu erschrecken oder zu verängstigen.”

Den ganzen Artikel von Roman Huber kannst du hier lesen:

Wie du siehst ist es nicht ganz einfach eine Trainerin / eine Schule zu finden, die zu dir passt. Schau dir die Homepage an, ein vorgängiges Telefonat kann auch schon Klarheit verschaffen. Geh mal hin, schau dir das Ganze an. Mach ein Training mit und lass schlussendlich auch dein Bau mitentscheiden.

Frank Zeugin (dog-community)

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