Stubenreinheit von Welpen oder Tierschutzhunden

Stubenreinheit von Welpen oder Tierschutzhunden – Gewisse Praktiken beleuchtet unter Berücksichtigung des Schweizer Tierschutzrechtes.

Mit der Anschaffung/Übernahme eines Tieres (Haustier oder Nutztier) übernehmen wir automatisch von Gesetzes wegen gewisse Verpflichtungen, wie das Tier gehalten werden muss. Die wenigsten von uns lesen vor der Anschaffung/Übernahme ihres Hunde tatsächlich das Gesetz (sei es Bundesgesetz oder das jeweilig kantonal gültige Gesetz), sondern wissen es einfach aus Erfahrung oder kontaktieren Fachpersonen oder wissende Kollegen. Aber reicht das tatsächlich aus? Ich widme diesen Post einem Thema, das jeden/jede von uns bestimmt schon einmal beschäftigt hat: Stubenreinheit bei Welpen oder Tierschutzhunden (die vorher noch nie in einem Haus gewohnt haben). Nach der schlaflosen Nacht Nummer zwei oder drei begibt man sich todmüde und mit tellergrossen Augenringen ins Internet und liest in allen möglichen und unmöglichen (Fach-, Hunde-)Foren über die Praktiken, wie andere ihre Hunde stubenrein bekommen haben, notabene in kürzester Zeit. Oder man fragt erfahrene Bekannte oder noch erfahrenere Hundetrainer. Mittlerweile ist es wohl gang und gäbe oder zumindest weit verbreitet, dass die folgende Lösung vorgeschlagen wird: Gibt deinem Hund ab 20:00 / 21:00 (Zeit variiert) kein Wasser mehr und sperre ihn in der Nacht in eine Box. Natürlich steht die Box neben dem Bett des neu gebackenen Frauchens/Herrchens, sodass man guten Gewissens seinen Hundenachwuchs bei sich hat und dementsprechend das soziale Rudelbedürfnis des Hundes befriedigt. Zudem ist es praktisch, da man den Hund hört, sollte er – trotz Wasserentzuges – in der Nacht raus müssen. Alles palletti und bequem, Hundchen schläft friedlich und Herrchen/Frauchen schläft noch friedlicher – oder nicht? Die rechtliche Seite sieht solche “kuriosen” Erziehungsmethoden, die lange nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben und schon gar nicht dem Tierwohl entsprechen, jedoch ganz anders!

Ich habe bei TIR (Tier im Recht) nachgefragt – Zusatzinfo: Welpe erhält Trockenfutter – und zitiere hier die Antworten:

a) Gesetzliche Grundlagen – Gemäss Art. 6 Abs. 1 Tierschutzgesetz (TSchG) und Art. 4 Abs. 1 Tierschutzverordnung (TSchV) muss ein Tierhalter seine Tiere angemessen, regelmässig und ausreichend nähren und mit Wasser versorgen. Die Tierschutzgesetzgebung konkretisiert nicht weiter, was unter einer angemessenen und ausreichenden Wasserversorgung für Hunde zu verstehen ist. Das zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) konkretisiert hingegen, dass Hunde immer Zugang zu frischem Wasser haben sollten. Wir raten ebenfalls aus den gleichen, von Ihnen zitierten Gründen und der damit einhergehenden Gefahr der Wohlergehensbeeinträchtigung, strengstens davon ab, Welpen für die Erziehung zur Stubenreinheit den Zugang zu Wasser zu verwehren.

b) Strafrechtliche Konsequenzen mangelhafter Ernährung – Wer sein Tier nicht ausreichend nährt und mit Wasser versorgt und dieses dadurch der Gefahr aussetzt, in seinem Wohlergehen beeinträchtigt zu werden, macht sich wegen Vernachlässigung nach Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG strafbar. Erleidet das Tier durch die mangelhafte Ernährung konkrete körperliche Leiden oder Schäden von einer gewissen Erheblichkeit kann sich der Halter der Misshandlung nach Art. 26 Abs. 1 lit. a TSchG strafbar machen. Bei den Tierquälereitatbeständen nach Art. 26 Abs. 1 TSchG handelt es sich um Vergehen, die mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren sanktioniert werden. Welcher Strafbestand gegeben ist, muss von den Strafverfolgungsbehörden aufgrund des konkreten Sachverhalts im Einzelfall beurteilt werden. In dem von Ihnen geschilderten Fall kann also von einer Vernachlässigung ausgegangen werden, aufgrund der Gabe von Trockenfutter, was stets einen Zugang zu Frischwasser voraussetzt.

c) Haltung in Boxen – Nebst vielen weiteren Bestimmungen legt die Tierschutzverordnung auch die Mindestgrössen von Gehegen und Boxen für Hunde fest, die jeweils vom Gewicht des Tieres abhängig sind. Bei einem Körpergewicht von bis zu 20 kg müssen Boxen eine Grundfläche von mindestens vier Quadratmetern aufweisen, bei 20 bis 45 kg schweren Hunden sind es sechs und bei über 45 kg acht Quadratmeter. Unabhängig von der Grösse eines Tieres muss die Box mindestens zwei Meter hoch sein. Die genannten Mindestgrössen gelten jeweils für bis zu zwei Tiere. Werden Hunde tagsüber in Gruppenaussenhaltung mit Rückzugsmöglichkeiten gehalten und werden sie nur zum Ruhen und Schlafen in Einzelboxen verbracht, so müssen die Boxenflächen nur die Mindestflächen nach Anhang 1 Tabelle 10 Ziffer 31 Tierschutzverordnung aufweisen. Detaillierte Informationen diesbezüglich finden Sie ausserdem in dem im Anhang befindlichen Merkblatt vom BLV.Verboten ist jedoch die Hundehaltung in Transportboxen. Darin darf der Vierbeiner zwar im Auto befördert, auf keinen Fall aber für eine längere Zeit zu Hause, im Fahrzeug oder auf der Arbeitsstelle untergebracht werden. Die Transportboxen sind weit kleiner als die gesetzlichen Mindestmasse für eigentliche Hundeboxen. Werden Transportboxen als Rückzugsort angeboten, muss vorgängig das Verschlussgitter dauerhaft entfernt worden sein. Hält man einen Hund über Stunden in einer zu kleinen geschlossenen Box, verstösst man gegen die Vorschriften über die Tierhaltung und könnte sich der Tierquälerei schuldig machen (Art. 26 Tierschutzgesetz [TSchG]).

Schliesslich weise ich Sie gerne noch auf unser Ratgeberbuch “Tier im Recht transparent” hin, das unter anderem auf derartige Fragestellungen eingeht. Sie könnten dieses Buch auf unserer Internetseite bestellen: https://shop.tierimrecht.org/.

Salomon Rita

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