Unser Weg mit Benji vom Welpe zum Autismus-Assistenzhund

Wir sind eine 5-köpfige Familie aus dem Kanton Bern. Unser jüngster Sohn bekam mit 4 ½ Jahren die Diagnose Autismus Spektrum Syndrom (ASS).

Für uns war klar, dass wir einen Hund möchten, der für ihn da ist und uns unterstützt. Wir fingen an zu recherchieren, wie wir das wohl angehen könnten. Wir stiessen auf die Blindenführhundeschule Allschwil, welche fertig ausgebildete Autismusbegleithunde an Familien abgibt. Hier war aber das Problem, dass die Nachfragen für einen solchen Hund sehr gross sind und die Wartelisten lang.

Auch wenn man es dann auf die Warteliste geschafft hätte, wäre da die Zusicherung für einen Hund noch lange nicht gewährleistet gewesen. Für uns war klar, dass wir nicht einfach abwarten möchten, um dann allenfalls doch keinen Hund zu erhalten. Also ging die Suche nach einer geeigneten Lösung weiter.

Nach langem durchstöbern diverser Angebote, sind wir auf die Seite Assistenzhundezentrum Schweiz gestossen und fanden da das Angebot für die Selbstausbildung. Wir entschlossen uns im Wissen, dass hier viel Arbeit und auch eine finanzielle Belastung auf uns zukommen wird, für diesen Ausbildungsweg. Auf der Suche nach einem Welpen: war da Benji. Dieser kleine schwarze Labradorwelpe zeigte uns, dass er zu unserem Sohn passt. Ohne etwas zu wissen, zogen sie sich immer wieder gegenseitig an. Von da an wussten wir, dieser Hund muss es sein.

Im Alter von 11 Wochen zog er bei uns ein. Nicht alles lief immer reibungslos.

Benji musste sich von unserem Sohn viel gefallen lassen.

Beide mussten lernen mit den jeweiligen Bedürfnissen umzugehen, was bis heute immer wieder eine Herausforderung ist.

Unser Sohn musste lernen mit Benji zu kommunizieren und nicht nur zu handeln. Das brauchte viele Erklärungen. Auch mussten wir den Hund vor nicht absehbarem Verhalten unseres Sohnes schützen.

Wir gingen in die Welpenschule und anschliessend in die Hundeschule. Mit viel Trainings übten wir den Grundgehorsam damit wir in die Selbstausbildung starten konnten.

Als Benji 1 Jahr alt war, war er soweit, dass wir mit der Selbstausbildung starten konnten. Wir übten einkaufen, Zug fahren, Bus fahren, Seilbahn fahren, Restaurantbesuche….

Benji lernte, unseren Sohn bei einem Meltdown zu beruhigen, in dem er sich über seine Beine legt. Durch sein Gewicht ist das Ziel, dass sich unser Sohn wieder spürt und beruhigt.

Benji ist immer und überall mit dabei. Durch die Anwesenheit von Benji, ist der Fokus unseres Sohnes mehr auf den Hund gerichtet und weniger auf die Aussenreize. Benji vermittelt ihm Sicherheit.

Sind die Reize aber trotzdem einmal zu viel, äussert sich das meistens so, dass unser Sohn einfach wegläuft. Das passiert, egal wo wir sind, noch regelmässig. Ist er in einer Überreizung und läuft weg, wird es gefährlich. Er kann in solchen Situationen Gefahren nur noch schwer wahrnehmen. Hier ist es wichtig, dass wir ihn schnell finden.

Benji wurde darauf trainiert, dass er unseren Sohn sucht, wenn er wegläuft.

Für uns als Familie ist das Suchen einer der wichtigsten Aufgaben, die Benji für uns übernimmt.

Durch die Anwesenheit von Benji, können wir wieder ruhiger etwas unternehmen mit dem Wissen, dass Benji uns in jeder Situation unterstützen wird.

All die Aufgaben, welche Benji heute für uns ausführt, wurden innerhalb von 1 ½ Jahren, mit Hilfe vom Assistenzhundezentrum Schweiz, einer super Trail Trainerin und ganz viel eigenen Trainings, fleissig geübt, gefestigt und am 21.11.2020 geprüft. Benji ist nun mit seinen knapp 2 ½ Jahren unser offiziell geprüfter Autismus-Assistenzhund.

Aber Autismus hat viele Gesichter, trotz absolvierter Prüfung, wird Benji immer wieder neue Sachen dazu lernen müssen damit er unseren Sohn optimal und zu jeder Zeit unterstützen kann.

Trotz enormem Aufwand und immer wieder aufkommendem Zweifel, ob wir das wohl schaffen, würden wir den Weg zur Selbstausbildung wieder wählen.

Warum? Benji wurde seit er Welpe ist, immer wieder mit den unschönen Seiten des Autismus konfrontiert und lernte damit umzugehen. Er spürte von Anfang an, dass unser Sohn Hilfe braucht. Er hatte intuitiv gelernt unseren Sohn immer im Auge zu behalten. Er reagiert in ganz vielen Situationen ohne eine Aufforderung. Dies alles zeigt uns, dass wir ganz viel richtig gemacht haben, dass es genau die richtige Entscheidung war und es uns ein Stück Normalität zurück ins Leben bringt.

Die zwei sind zu einem unzertrennlichen Team zusammengewachsen, das von inniger Liebe, Vertrauen und ständigem Lernen voneinander geprägt ist.

Ein Hund sein ohne Verpflichtung. Auch ein Assistenz-Hund braucht mal Pause …

Karin Brügger

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