Wie ich auf den Boxer kam

So lange ich zurückdenken kann, war bei uns zu Hause immer ein Hund. Als ich 8 Jahre alt war haben meine Eltern eine Boxerhündin gekauft. Sie hiess Lana. Dies war in den 1970er Jahren und da war kupieren noch erlaubt. Ist zu Glück heute nicht mehr so. Wir wuchsen zusammen auf, haben zusammen unsere Flegeljahre verbracht und viele Unsinn gemacht. Mit 11 Jahren hatte ich bei einem Schreibwettbewerb mit gemacht, der vom Kantonalen Zürcher Tierschutzverein ausgeschrieben wurde und Kinder aufgerufen wurden ihre Tiergeschichten zu erzählen. Es wurden dann die Besten ausgewählt und in einem Buch abgedruckt. Trotz, dass Schreiben definitiv nicht zum meiner bevorzugten Disziplin gehört, habe ich mit gemacht und habe es mit meiner Geschichte sogar ins Buch geschafft. Das Buch heisst „Pieps, Anastasia und ein Hund namens Meier“ und ist im Jahr 1981 erschienen. Die Geschichte will ich euch nicht vorenthalten:

„Lana – Einmal kam mein Vater nach Hause und sagte: „ich habe eine Boxerhündin bestellt. Wir fahren am Sonntag zum Züchter und schauen sie uns an!“ Wir freuten uns sehr und konnten es kaum erwarten.Nun war es soweit. Die Züchterin holte den kleinen Hund aus der warmen Küche und stellt ihn draussen in der Kälte auf den Boden. Das kleine Ding schlotterte vor Kälte, und es konnte kaum laufen, es knickte immer wieder ein mit seinen kurzen Beinchen. Der kleine Körper war dick und unförmig, und das Gesicht war voller Runzeln. Weil die kleine Hündin so dick war tauften wir sie „Lana“. Das heisst auf Deutsch „Wolle“.Mein kleiner Bruder und ich konnten kaum warten, bis wir sie nach Hause nehmen durften. Die kleinen Hunde darf man erst etwa mit 12 Wochen von der Mutter trennen.Zuhause machte meine Mutter in der Küche aus Schaumgummi und einem alten Tuch ein Bett für Lana. Auch besorgten wir uns einen Fress- und Wassernapf. Nun waren wir bereit für unser neues Familienmitglied.Endlich war es soweit. Am Karfreitag holten wir Lana. Auf der Heimfahrt wurde Lana plötzlich vom Heimweh gepackt. Sie streckte den Kopf in die Luft und heulte ganz schrecklich, wie ein grosser böser Wolf. In der Nacht wurde weiter geheult. Es war ganz unheimlich. Wir durften mit ihr kein Mitleid haben und sie etwa zu uns ins Bett nehmen. Sie musste in ihrem Nestchen bleiben und sich an das Alleinsein gewöhnen. Tagsüber musste sie ihr neues Zuhause kennenlernen. Unsere Teddybären wurden herumgeschleppt, ein Spielzeugauto wurde zerbissen. Auch Mutters Schaffellfinken konnte man so schön zerfetzen. Mit dem grössten Vergnügen raste sie wild in der ganz Wohnung umher. Am Abend, im Nestchen, wurde wieder geheult. Meine Mutter machte für Lana eine warme Bettflasche und legte auch noch ein Paar alte, dreckige Hosen zu ihr ins Bett. Nun spürte sie etwas Wärme und fühlte sich nicht mehr ganz allein, weil sie an meinen Hosen herumschnuppern konnte. Seither weiss sie, wo sie liegen darf und dass sie zu unserer Familie gehört. Nun ist Lana bald 3 Jahre alt und ein grosser wohlerzogener Hund, der uns viel Freude macht.“

Ich bin mit Hunden aufgewachsen und kann somit ein Leben ohne Hund nicht vorstellen. Mit Lana bin ich dann auf den Boxer gekommen. Früher dachte ich, dass sie mit dem ganzen Körper wedeln, weil sie keinen Schwanz haben. Seid Kupieren verboten ist, weiss ich, dass sie auch mit Schwanz mit dem ganzen Körper wedeln. Ihre Art zu spielen, wie charmant, stur, liebevoll sie sein können, wie sie den Clown spielen, ihre Mimik, wo man genau sieht, was sie fühlen. Ihre Begeisterungsfähigkeit, Leistungsfähigkeit, Ausdauer, Kraft, Geschwindigkeit, Neugier, Schalk … Ihr seht, ich komme aus dem Schwärmen nicht mehr raus.Mittlerweilen habe ich mit meiner Frau Nummer 4 (Coco) und 5 (Runa).Und wie es schön heisst: einmal Boxer immer Boxer.

Frank Zeugin

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